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Studie: Digitale Transformation erfordert transformative Leader


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Die Digitalisierung setzt deutsche Unternehmen unter gewaltigen Veränderungsdruck. Insbesondere die mit ihr verbundene zunehmende Volatilität und Komplexität erfordern vielerorts einen tiefgreifenden Wechsel – oft kompletter Strategien und Geschäftsmodelle. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der klassische Manager-Typus dafür aus dem falschen Holz geschnitzt ist. Gefragt sind stattdessen charismatische Führungspersönlichkeiten.

Immer weitere Technologiesprünge in immer kürzerer Zeit, eine Business-Welt, die nach wie vor zunehmend komplexer und globaler wird, demografischer Wandel, harter Wettbewerb mit alten und neuen Playern zugleich: Nur einige von vielen Faktoren, die zur heutigen, mittlerweile vielzitierten VUKA-Welt geführt haben. Sie steht für die summierte Herausforderung aus hoher und ständiger Volatilität, Komplexität, Ambiguität und Unsicherheit.
Um in dieser Welt bestehen zu können, müssen Unternehmen im höchsten Maße wachsam und jederzeit veränderungsfähig sein. Sie müssen grundlegende Transformationen bereits heute proaktiv angehen, um nicht morgen von den Umständen dazu gezwungen zu werden. Doch was und wen braucht es in der Führung für das dafür erforderliche Change Management? Antworten liefert eine aktuelle Studie der Personalberatung Rochus Mummert, die 2018 unter 180 deutschen Unternehmen unterschiedlichster Branchen erhoben wurde.

Leader sind dünn gesät
Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung mag auf den ersten Blick nicht überraschen und trifft doch bei vielen Unternehmen einen wunden Punkt: Veränderungen von der Intensität und Tiefe, wie sie jetzt in vielen Firmen und Konzernen anstehen, erfordern wirksame Führung – und damit Führungskräfte, die ausgeprägte Leadership-Kompetenzen besitzen. Aus Sicht der befragten Unternehmen sind die geforderten Kompetenzen vor allem: Persönliches Charisma, die Fähigkeit, Mitarbeiter hinter einer attraktiven Vision zu vereinen, sowie strategische Weitsicht, um Geschäftschancen zu erkennen und zu nutzen.
Nicht zuletzt deshalb sehen nur 37 Prozent der befragten Unternehmen ihre Führungskräfte als gut bis sehr gut gerüstet, die anstehenden grundlegenden Veränderungen umzusetzen. Womit die Studie bestätigt, was häufig im Business-Kontext kritisiert wird: In deutschen Unternehmen mangelt es an Führungspersönlichkeiten mit Leadership-Kompetenzen.

Differenzierung zwischen Management und Leadership
Die Ergebnisse verwundern nicht, denn immer noch wird auf Geschäftsführungsebene und im HR zu wenig zwischen Leadership und Management unterschieden. Eine Differenzierung, zu der die Studie dringend anregt, nachdem damit zwei zum Teil völlig unterschiedliche Arten von Führungskräften beschrieben werden. Während sich die Tätigkeit eines Managers vor allem auf logisch-analytische und organisatorisch-prozessuale Aufgaben fokussiert, kommen beim Leader unternehmerische Kompetenzen und eine bestimmte Persönlichkeit hinzu. Konkret sind dies die eingangs genannten Fähigkeiten, neue Geschäftsfelder bereits dann zu erkennen und anzupacken, wenn sie sich auch nur als Chance abzeichnen, ein Wirken allein schon durch eine gewinnende persönliche Ausstrahlung sowie die Gabe, Menschen für Wandel und Neues bewegen und begeistern zu können. Was Führungspersönlichkeiten ebenfalls kennzeichnet: Die Fähigkeit, bestehende Geschäftsmodelle jederzeit mutig zu hinterfragen, wenn die Zeichen der Zeit dazu mahnen – zum Beispiel neue digitale Konkurrenten mit einem völlig anderen Ansatz.

Menschen arbeiten lieber unter wirksamen Leadern
Immerhin 68 Prozent der befragten Unternehmen wollen vor diesem Hintergrund dem Unterschied zwischen Manager und Leader in Zukunft mehr Bedeutung beimessen. Auch die anderen sollten darüber nachdenken: Hier nicht genauer zu unterscheiden, könnte auch noch in anderer Hinsicht ein Fehler sein. Denn wirksame Führung als Resultat gelebter Leadership-Kompetenzen erhöht nicht nur die Umsatzrendite – ein weiteres Ergebnis der Studie –, sondern macht laut der Untersuchung auch als Arbeitgeber attraktiver. Während in weniger wirksam geführten Unternehmen nur 37 Prozent der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber zufrieden sind, sind es dort, wo wirksam geführt wird, 67 Prozent.

Gelebtes Leadership erhöht Agilität
Auch in einem weiteren Kontext gewinnen Leadership-Kompetenzen an Bedeutung: beim Wechsel von der klassischen Hierarchie-Organisation zu einer agilen Führungs- und Leistungskultur, derzeit eine häufige Antwort auf eine immer unberechenbarere Business-Welt. Hier liefert die Studie einen interessanten Zusammenhang: Wirksam geführte Unternehmen, also solche mit Leadern an der Spitze, sind im Schnitt per se bereits agiler als unwirksam geführte Unternehmen. Mit anderen Worten: Eine bewusste Verlagerung des Fokus beim Thema Führung von Management auf Leadership ist mindestens ein erster wesentlicher Hebel auf dem Weg zum agilen Unternehmen. Abgesehen davon, lässt sich damit auch der allgemein nötige Wandel von autokratischen Strukturen – die nach wie vor fast die Hälfte der Business-Welt dominieren – zu einer Führungskultur, die von Vertrauen und Verantwortung geprägt ist, beschleunigen.

Zum Autor

Dr. Linus Gemmeke, Executive Consultant bei der Rochus Mummert Executive Consultants GmbH in Düsseldorf

Markus Gehrt, Executive Consultant bei der Rochus Mummert Executive Consultants GmbH in Hamburg


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