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Nachgefragt: Die 2020er

Die 2020er
Die 2020er

Wir alle können Zukunft, ist uns doch der Sprung ins neue Jahrtausend 1999/2000 locker gelungen. In zwölf Monaten steht bereits die dritte Dekade an. Das klingt nach einem Klacks im Vergleich mit der damaligen Zeitenwende. Die war durch DotcomFieber und EuroSorgen geprägt. Vieles ist dann anders gekommen. Und genau wie damals wissen wir wieder nicht, was uns erwartet. Wir haben nachgefragt: Was wird der wichtigste Erfolgsfaktor von organisatorischen Veränderungsprozessen werden bzw. bleiben? Sieben Management-Experten geben uns mit Ihrer Meinung einen Ausblick.


Die fortschreitende Transformation in eine andere, neue Arbeitswelt bedeutet für Organisationen eine stetige Anpassung mit hoher Geschwindigkeit – die Digitalisierung ist hier ein entscheidender Treiber. Erfolgsfaktoren sind dabei der offene Dialog flankiert von einer starken Unternehmenskultur, richtungsgebenden Werten und einer transparenten Kommunikation. Der persönliche Kontakt und Austausch zwischen und mit den Mitarbeitern wird dabei noch wichtiger und lässt sich nicht wegdigitalisieren!“

Corinna Schittenhelm,
Mitglied des Vorstands (Schaeffler AG)


Deutsche Unternehmen, aber auch öffentliche Verwaltungen und Einrichtungen, die in Transformationsherausforderungen stehen, werden radikalere Strukturentscheidungen treffen müssen. Aufbau neuer Geschäfte auf der grünen Wiese, weg von traditionellen Geschäften und veränderungsresistenten Kulturen, Verkäufe etablierter Sparten und Diversifikation in neue Geschäfte, Neugründung eines Bamf oder eines Bundeswehrbeschaffungszentrums in agilen Strukturen und Schließung der alten, desolaten und verbürokratisierten Einheiten. Und die Employability-Debatte der 90er-Jahre wird durch den enormen Skillshift von niedriger zu höherer, neuer Qualifikation eine ungeahnte Renaissance erleben. Hoffentlich kann das betriebliche, öffentliche und private Bildungssystem Millionen an Weiterzubildenden verkraften.“

Thomas Sattelberger,
Manager und Politiker


Change Management der Hypermoderne bedeutet ständige Adaption an eine volatile Welt. Erfolgsfaktoren sind der Einsatz künstlicher Intelligenz, die Mitwirkung aller Mitarbeiter und die Fähigkeit, Denkmuster und Routinen zu erlernen. KI-basierte Methoden verbessern Transformationsprozesse: weitreichend, schnell, objektiv. Maschine und Mensch bilden ein wertschöpfendes Bündnis. Dafür bedarf es Mut, geschaffen durch Vertrauen und Nutzung der Technologie zum Wohle des Menschen.“
Thomas Belker,
Sprecher des Vorstands (Talanx Service AG)


Dem Zeitgeist entspricht, dass sich das Ziel des Wirtschaftens nicht alleine auf die ökonomische Dimension konzentriert. Die Frage nach ‚Purpose‘ ist en vogue. Organisationen brauchen Purpose, gerade bei Veränderungsprozessen, um den Wandel durch einen höheren Zweck und tieferen Sinn zu untermauern. Purpose zielt gleichermaßen nach innen und außen, er bietet Identifikation für die Belegschaft und Differenzierung
im Wettbewerb. Mit der Antwort auf die Frage ‚Warum?‘ wird der Glaube geteilt, einen relevanten Wert zu schaffen, und es entsteht Energie zur Transformation.“

Felicitas von Kyaw,
Change-Expertin und Beirätin von changement!


Die positive Kraft des negativen
Denkens konzentriert sich auf Faktoren, die den Veränderungserfolg behindern. Das ist konkreter. Und da bleibt als Haupthindernis: die Not der Notlosigkeit. Die Zahlen sind schwarz, man verdient mit dem alten Zeug noch viel Geld. Zukunft ist anthropologisch ohnehin schlecht vorbereitet; der Vorstandsvertrag läuft noch zwei Jahre und langfristig sind wir sowieso alle tot. Was wird Veränderung behindern? Das Festhalten an identitären Konzepten wie Unternehmenskultur.“

Reinhard K. Sprenger,
Führungsexperte, Autor und Speaker


Vertrauen! Weil Vertrauen in einer Zeit des Fachkräftemangels Talente anziehen, begeistern und binden kann. Zudem ermöglicht Vertrauen die Transformation hin zu neuen Formen der Zusammenarbeit, denn es schafft notwendige Freiräume für Selbstbestimmung und
Experimentierfreude und wirkt gleichzeitig als zwischenmenschlicher Klebstoff – auch bei immer virtuellerer Kooperation. Schließlich ist Vertrauen gerade in einer datafizierten Welt unabdingbar – Vertrauen in die Technologie, mit der manche Hand in Hand arbeiten werden, aber auch Vertrauen darauf, dass nicht messbare Dinge auch weiterhin große Wertschätzung
erfahren werden.“

Antoinette Weibel,
Professorin für Personalmanagement (Universität St. Gallen)


Co-Kreation und Führung: Das sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Co-Kreation benötigt Offenheit und Neugierde, Einladung zur Gestaltung, Mut zur Veränderung, Gemeinschaft und Sinn sowie Kollaboration auf Augenhöhe. Und was sind die
Anforderungen an eine moderne Führungskraft im digitalen Zeitalter? Eben!“

Karl-Heinz Reitz,
Change-Experte und Beirat von changement!


Die 2020er sind nicht weit entfernt. Wie wird sich Veränderung verändern? In der neuen Ausgabe der Changement! „Zukunftsblicke: Die 2020er“ setzen sich ausgewiesene Experten mit den Veränderungsprozessen der neuen Dekade auseinander.


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