Kontraste: Ehrlichkeit oder Euphemismen?


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Kontraste greift kontroverse Debatten auf. Zwar ist im Change Management nichts nur so oder nur anders. Mittelwege bieten meist die besseren Lösungen. Deutliche Positionen helfen aber, die eigene Sicht- und Vorgehensweise zu klären. In dieser Debatte geht es um die Frage, ob negativ besetzte Begriffe bei der Gestaltung des Wandels verwendet werden sollten oder nicht.

Einerseits …
Mariann Spycher: Mit freundlicher Kommunikation wirken wir gerade auch in krisenhaften Situationen stabilisierend. Wenn wir in der Kommunikation zwischen Sache, persönlicher Wahrnehmung, Interpretation und Empfindung unterscheiden, dann beziehen wir klar Stellung und bleiben gleichzeitig dem Menschen zugewandt.

… andererseits
Axel Ebert: Bestimmt die Sprache unser Denken? Schöne Worte = schöne Welt? Das sind überzogene und wissenschaftlich fragwürdige Thesen. Euphemismen funktionieren nur selten und haben Nebenwirkungen: Sie sind leicht durchschaubar, vermitteln eine gewisse Hilflosigkeit und werden als von oben verordnet erlebt.


„Houston, wir haben gerade ein Problem“, funkte die Besatzung von Apollo 13 im April 1970 an die Bodenstation.

Nach der Explosion eines Sauerstofftanks befanden sich die drei Astronauten in einer höchst misslichen Lage zwischen Erde und Mond. „Kopf hoch“, würden ihnen heute viele Trainer, Manager und Consultants zurufen und von einer „Herausforderung“ sprechen. Eine Herausforderung sei zukunfts- und handlungsorientiert, ein Problem eher lähmend. Denn genauso wie Kleider Leute machten, bestimme die Sprache unsere Stimmung. Weil wir mit Worten auch Werte verbinden, sei es gerade in den schwierigen (besser: interessanten) Zeiten des Wandels wichtig, welche Begriffe wir wählen. Dafür gibt es inzwischen lange Listen mit netten Wörtern: „freisetzen“ statt „entlassen“, „überrascht“ statt „stinksauer“, „überdenken“ statt „missbilligen“. Damit aus „talk positive“ der Eindruck „think positive“ entsteht.

„Ja, aber“ – „aber“ gehört durch seine Widerrede ebenfalls zu den negativ besetzten Begriffen –, werfen Skeptiker ein und verweisen auf die These des Sprachpsychologen Steven Pinker von der Euphemismus-Tretmühle: Schönfärbende Wörter würden sich ziemlich rasch abnutzen, die negative Bedeutung des früheren Ausdrucks annehmen und als Zeichen übertriebener politischer Korrektheit gewertet werden. Viele Zuhörer würden sogar mit den Augen rollen (besser: einen „room for improvement“ sehen) und meinen, man solle nicht die Sprache, sondern den Zustand verbessern. „Bitte“, „danke“ und eine generell freundliche Ausdrucksweise gehören zur guten Kinderstube. Wie wählt man jedoch in Zeiten des Wandels seine Worte, ohne unschöne Sachverhalte, die bei jeder Veränderung auftreten, zu sehr zu verbrämen?

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Zum Autor

Mariann Spycher ist Partnerin des Management Center Vorarlberg. Sie versteht sich als Vermittlerin und Brückenbauerin zwischen Abteilungen, Teams oder Hierarchiestufen. Seit über 20 Jahren begleitet sie Unternehmen durch Veränderungsprozesse.

Axel Ebert ist Diplom-Psychologe, Berater, Trainer und Co-Autor des Buchs „Bullshit Busters“ (2017) über populäre Mythen und Irrtümer aus der Weiterbildungsbranche. Er ist Mitbegründer von „Wortwelt“ und „Identitäter“, zwei Beratungen für Unternehmenssprache, -kultur und Employer Branding.


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