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Führung in Zeiten von Corona

Zitat_Meinungen
Aus der changement! 04/20: Was sollten Führungskräfte jetzt tun. Wir haben nach Meinungen gefragt.

Eine solche Krise wie diese hat es zuvor nicht gegeben. Und trotzdem muss es weitergehen.
Was bedeutet die Corona-Pandemie für die Führung in Organisationen? Was können, was sollten Führungskräfte jetzt tun? Wir haben nach Meinungen gefragt.


Empathie ist gefragt

„In Krisenzeiten ist nur noch ein elitärer Bruchteil der Belegschaft aktiv daran beteiligt, das Unternehmen am Laufen zu halten. Alle anderen stehen häufig ungebraucht, uninformiert, unsicher und manchmal auch unbezahlt daneben. Die emotionalen Folgen bei den Mitarbeitern werden meiner Meinung nach schwerwiegend sein.

Die negativen Folgen können durch gute Führung gemindert werden-

Diese negativen Folgen können insbesondere durch gute Führung gemildert werden. Gute Führung heißt hier: zeitnahe, umfassende Kommunikation, die von Transparenz und Menschlichkeit geprägt ist; gelebte Vorbildfunktion; Besinnung auf die Grundwerte des Unternehmens; Mut sowie Kreativität bei der Lösung von Problemen und eine konsequente Abkehr von Macht- und Kompetenzgerangel. Es bedarf enormen Fingerspitzengefühls und Empathie, um dieser für viele Menschen hoch emotionalen Situation gerecht zu werden. So souverän eine Führungskraft auch wirken möchte, sachliche Professionalität oder sogar ein autoritärer Führungsstil ist nicht der Modus, mit dem man einer Belegschaft begegnen sollte, die Angst um ihre Jobs hat.“

Melanie Enderweit
arbeitet im Bereich Strategic Development von Phoenix Contact.


Neue Wege der Beteiligung

„Ich denke, man könnte all die gute Energie von #WirVsVirus, dem Hackathon der Bundesregierung, auch in ein Unternehmen bringen. Es muss kein Hackathon sein, aber die Idee dahinter. Wir könnten versuchen, neue Wege der Mitarbeiterbeteiligung im Krisen-Handling auszuprobieren. #WirVsVirus hat gezeigt, dass Menschen zu Krisenbewältigungen beitragen wollen, dass die Problemanalysen von diversen Personen – auch Fachfremden – einen breiteren Blickwinkel ergeben, und dass mitunter Ängsten entgegenwirkt wird sowie in kürzester Zeit beachtliche Lösungen vorliegen.

Wir könnten versuchen, neue Wege der Mitarbeiterbeteiligung im Krisen-Handling auszuprobieren.

Was wäre, wenn Führungskräfte allen Mitarbeitenden die Gelegenheit geben würden, an Fragen zu arbeiten wie zum Beispiel: Vor welchen Problemen stehen wir im Unternehmen derzeit? Welche könnten noch eintreten? Welche Challenges für unser Unternehmen können wir daraus formulieren? Welche Lösungsansätze finden wir? Welche Herausforderungen hat Corona bisher für uns gepusht und welche Übergangslösungen sollten wir nach dem Ende der Krise unbedingt beibehalten? Es funktioniert. Auch im Homeoffice.“

Steffi Gröscho
ist Geschäftsführerin von perlrot. collaboration and communication.


Die Kunst, loszulassen

„Wenn es brennt, dann läuft bei der Feuerwehr alles generalstabsmäßig. Jeder Handgriff sitzt, jeder weiß, was zu tun ist, alles ist erprobt, geübt und wird nun exekutiert.

Führungskräfte verwechseln die heutige Lage mit monokausalen Krisensituationen.

Die Corona-Krise provoziert derzeit genau diese Kommando-Strukturen. Nur dass niemand einen Plan hat. Nichts davon konnte geübt werden. Warum sehen wir so viele Führungskräfte zurückfallen in alte Muster? Versuchen Entscheider, die Ängste der Mitarbeiterschaft zu adressieren – oder geht es eher darum, die eigenen Ängste zu bekämpfen? Kann man mit mehr Kontrolle in dieser Situation führen? Führungskräfte verwechseln die heutige Lage mit monokausalen Krisensituationen. In den ohnehin schon komplexen Zeiten, in denen Ursache-Wirkungsbeziehungen unklar sind, Antworten durch Experimente gefunden werden müssen, Standardrezepte nicht mehr greifen, brauchen wir eines nicht: eine Heerschar straff geführter, aber nicht zu eigenständigem Handeln befähigter Mitarbeiter. Was wir brauchen, ist mehr Vertrauen, mehr Transparenz, mehr Vorbild und eine hohe Kunst des Führens: Die Kunst, loszulassen.“

Alexander Kluge
ist Geschäftsführer von kluge+konsorten.


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Dieser Beitrag ist in der changement 04/2020 erschienen. Die gesamte Ausgabe können Sie hier im Gratis-Paket bestellen.


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