Eine neue Welt


Aufgespießt - die Kolumne von Chefredakteur Jan C. Weilbacher

Aufgespießt: Als Chefredakteur von changement! schaut Jan C. Weilbacher kritisch auf Themen rund um Transformation und Change Management. Im Rahmen der Ausgabe 03/2020 wirft er einen Blick auf die aktuellen Geschehnisse und was es braucht, um den Schaden gering zu halten.

Und auf einmal haben wir eine Krise, die sich niemand vorstellen konnte. Als ich den Schwerpunkt anfing zu planen, war von Corona noch nicht die Rede bzw. der Virus war irgendein weit entferntes Phänomen in China. Und nun erleben Unternehmen in fast allen Branchen eine sehr schwere Zeit: Aufträge wurden storniert und bleiben aus, Lieferketten sind unterbrochen, Geschäftsreisen sind kaum möglich, Börsenkurse erreichen nicht für möglich gehaltene Tiefststände, Umsätze brechen ein, Gewinnwarnung reiht sich an Gewinnwarnung. Es ist eine weltweite Krise, wie sie sich niemand hätte vorstellen können – und ein Ende kaum absehbar.

Der Auslöser waren keine Managementfehler, keine Handelskriege, keine fehlenden Innovationen, sondern ein Virus, das lange unterschätzt wurde.

Jetzt ist erst einmal Krisenmanagement angesagt. Viele Organisationen – insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen – bangen um ihre wirtschaftliche Existenz. Manche hatten noch nie mit einer Krise zu tun, ging es doch für eine Mehrheit der deutschen Unternehmen zuletzt stets bergauf. Und nun reden alle von einer Rezession, die mit Sicherheit kommen wird.

Die Situation ist ernster als zu Zeiten der Finanzkrise 2008. Denn die Krise ist für alle gesellschaftlichen Bereiche und alle Branchen spürbar, das Virus trifft sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite und die Notenbanken haben wegen der Finanzkrise kaum noch Spielraum zu reagieren. Die Politik muss es richten. Geld spielt keine Rolle. Und dennoch wird es eine sehr lange Zeit dauern, bis die Wirtschaft – bis wir alle – uns von dieser Krise erholen werden.

Die Wirtschafts- und Arbeitswelt wird bald eine ganz andere sein. Wir werden wesentlich digitaler zusammenarbeiten, kommunizieren und Geschäftsverhandlungen führen; es werden vermehrt Produktionen zurückgeholt werden; die Robotisierung hierzulande wird weiter stark zunehmen. Gleichzeitig werden die Unternehmen ihr Risikomanagement verbessern, Abhängigkeiten reduzieren und in ihre „Robustheit“ und Flexibilität investieren. Diese Entwicklungen gab es vorher auch schon, das Corona-Virus wird diese Trends aber nochmal beschleunigen.

Die Wahrheit ist ebenfalls: Wenn der Höhepunkt der Pandemie vorbei ist, wird der Virus nicht weg sein. Panik ist dennoch kein guter Ratgeber und auch nicht angebracht. Wir alle werden lernen, mit dieser Situation umzugehen. Wir werden vorsichtiger sein, es wird ganz viele Videokonferenzen geben, neue Geschäftsfelder müssen vielleicht gesucht werden. Aber ich bin zuversichtlich, dass Menschen mit Tatendrang und Pioniergeist neue Wege finden werden. Und es hat sich in der Geschichte ja auch immer wieder gezeigt, wie widerstands- und anpassungsfähig der Mensch ist.[JCW]

Senden Sie gerne Ihre Meinung an chefredaktion@changement-magazin.de.
Diese Kolumne ist ein Auszug aus der changement!-Ausgabe 03/2020. Hier geht es zum weiteren Inhalt des Heftes.


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