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Das eigene Kind ist niemals hässlich


Das Kontinuum der Motivation; übersetzt und erweitert nach Gordon B. Spence und Lindsay G.

Vielerorts herrscht bei den Mitarbeitern eine große Veränderungsmüdigkeit und man kann es ihnen nicht verübeln. Es wird zu viel „mitgenommen“, statt auf das dem Menschen innewohnende Bedürfnis nach Autonomie-Erleben einzugehen. Ein erster Schritt wäre, die Erkenntnisse der Selbstbestimmungstheorie zu berücksichtigen.

Die Menschen in deutschen Unternehmen sind change-müde, das Gros aller Projekte erreicht nach Ansicht der verantwortlichen Manager seine Ziele nicht. Spricht man Mitarbeiter in Unternehmen unterhalb des Top-Managements auf laufende Projekte an, so verdrehen viele von ihnen die Augen und winken ab, zumindest hinter verschlossenen Türen. All das erklärt sicherlich den Erfolg von Sachbüchern mit Titeln wie „Change mich am Arsch“. Dies geschieht, obwohl Change-Wissen reichlich vorhanden ist – oder zumindest sein sollte. Es gibt Berge an Literatur und Seminare, auch die stetig wachsende Blogosphäre quillt über mit guten Ratschlägen, wie man die „Menschen dort abholt, wo sie stehen“ und dann auch wirklich „alle mitnimmt“. Leider scheint es so, als ob dies am Ende des Tages vielerorts ein bloßes Lippenbekenntnis bleibt:

  • Da werden Veränderungsziele, ausgehend vom Top-Management, auf die verschiedenen Abteilungen „heruntergebrochen“ (welch schöne Metaphorik tut sich auf, wenn man sich dies einmal bildlich vorstellt).
  • Da werden Personen abgeholt, wo sie stehen, obwohl diesen nicht klar ist, warum es am Zielort schöner sein sollte als dort, wo sie sich aktuell befinden.
  • Da wird nicht gefragt, ob die Menschen vielleicht selber gehen möchten, anstatt „mitgenommen“ zu werden.

Und dann, wenn auch der x-te Meilenstein nicht erreicht wurde und die übergreifenden Ziele in Gefahr sind, holt man einen externen Experten, der die Menschen motivieren soll. „Unsere Belegschaft ist im Widerstand“, heißt es dann in der Vorbesprechung. „Können Sie denen mal so richtig Feuer unterm Hintern machen?“ Derweil sind die besten und engagiertesten Mitarbeiter auf Xing oder LinkedIn und schauen sich nach einem neuen Job um.

Ich bin der Käpt’n meiner Seel’

Für ein besseres Verständnis der oben – zugegeben etwas polemisch beschriebenen Umstände – hilft ein Blick auf die sogenannte Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory, SDT), das einflussreichste Theoriegebäude der vergangenen 40 Jahre in der psychologischen Forschung rund um die Frage, was Menschen nachhaltig motiviert. Die Begründer Edward Deci und Richard Ryan gehen von der Idee aus, dass es nicht nur eine Form von Motivation gibt, von der man quantitativ mehr oder weniger verspüren kann. Sie postulieren, dass Menschen ein Kontinuum verschiedener Qualitäten von Motivation erleben können, die mit verschiedenen Konsequenzen einhergehen.

Welche Qualitätsstufen es gibt und wie man die Change-Müdigkeit überwindet?  »Lesen Sie den gesamten Beitrag hier kostenfrei

Zum Autor 

Dr. Nico Rose ist seit April 2019 Hochschullehrer an der International School of Management (ISM) in Dortmund . Zuvor arbeitete er als Vice President im Stab des Personalvorstands von Bertelsmann. Sein Buch „Arbeit besser machen: Positive Psychologie für Personalarbeit und Führung“ erschien im Juni im Haufe-Verlag. Es erläutert Theorie und Anwendung der Positiven Psychologie in Organisationen. Zusätzlich enthält es viele Tipps und Tricks für die Praxis sowie 33 Experten-Interviews, unter anderem mit Adam Grant, Professor an der Wharton Business School, und dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner.


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