6 Prinzipien für kontinuierliche Selbsterneuerung


Dr. Hans-Joachim Gergs
Derzeit ist viel vom disruptiven Wandel, also von grundlegenden Veränderungsprozessen in Unternehmen, die Rede. Aber ist es nicht besser, auf eine permanente Transformation zu setzen?  Auf viele kleine Schritte einer andauernden Veränderung, die zu einer kontinuierlichen Selbsterneuerung führen? In der Praxis gelingt dies durch die Anwendung von sechs grundlegenden  Prinzipien.

In den letzten Jahren war zu beobachten, wie schnell selbst bedeutende Unternehmen, beispielsweise Kodak und Nokia, oder deutsche Größen, etwa Quelle und Schlecker, von den  Veränderungen in den jeweiligen Branchen und ihren Wettbewerbern verdrängt wurden. In all diesen Fällen hätte es weit vor der Krise genügend Möglichkeiten zum Handeln gegeben. Bei Kodak gelang es CEO George Fisher Ende der neunziger Jahre nicht, den Kurs substanziell zu verändern und das Unternehmen ins digitale Zeitalter zu führen. Fisher hatte noch eine Chance. Sein Nachfolger hingegen hatte eine handfeste Krise, die Kodak nicht überlebte.

Richard Foster von der University of Yale kommt in einer aktuellen Untersuchung zur Lebensdauer der größten US-Konzerne zu einem bedenkenswerten Befund: Sie werden im Durchschnitt nur noch 15 Jahre alt. Etwas langlebiger sind europäische Betriebe, das Durchschnittsalter aller börsennotierten Unternehmen in Europa beträgt 28 Jahre – Tendenz sinkend. Angesicht dieser Veränderungen wird die Fähigkeit, sich kontinuierlich und vorausschauend neu zu erfinden, immer wichtiger. Das „klassische“ Change Management stößt an seine Grenzen, da es in seiner Grundlogik reaktiv ist: Der Wandel wird erst dann angestoßen, wenn das Unternehmen durch äußere Umstände bedroht ist oder sich bereits in einer tiefen Krise befindet. „Bewusst in die Zukunft“ lautet die bessere Devise: Bereits in guten Zeiten müssen Unternehmen selbstkritisch den Wandel anstoßen.

Wie kann dieser Prozess der vorausschauenden Erneuerung gelingen? Zur Beantwortung dieser Frage wurden in einem zwölfjährigen Forschungsprojekt zehn Unternehmen intensiv begleitet. Alle diese Firmen durchliefen einen tief greifenden Wandel ihres Geschäftsmodells – ohne dass sie sich in einer Krise befanden. Daraus entstanden sechs Transformationsprinzipien für Unternehmen, die zu einem langfristigen Erfolg am Markt führen.

1. Prinzip: Selbstreflexion stärken

John Donahoe, CEO von eBay bis zur Abspaltung von Paypal im Jahr 2015, gönnt sich jedes Quartal einen „Denk-Tag“, an dem kein einziger Termin ansteht. Donahoe ist überzeugt, dass er nach diesen Auszeiten wieder klarer sieht und neue Kreativität gewinnt. Zusätzlich hält er jährlich zwei Wochen Internet-Abstinenz. In Zeiten des bedingungslosen „Immer weiter“ ist ein solches Innehalten wenig akzeptiert. Es erfordert Mut, durch Auszeiten Distanz zum betriebsamen Alltag zu schaffen.

Selbsterneuerung fängt mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion an. Reflexion, lateinisch „reflectio“, heißt zurückbeugen und meint das prüfende Nachdenken, insbesondere über die eigenen   Gedanken, Handlungen und Erfahrungen. Erneuerungsfähige Unternehmen ermöglichen Führungskräften und Mitarbeitern regelmäßig Auszeiten vom Alltagsgeschehen (in Form von Workshops, Coachings und Trainings), um zu reflektieren, wo das Unternehmen steht und was die Zukunft bringt.

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